Liebe Leserinnen und Leser,

„ein gutes neues Jahr“, das wünschen wir uns in der Regel Ende Dezember, Anfang Januar. Aber warum eigentlich dann? Für uns beginnt doch in diesen Tagen ein neues Jahr: Der erste Advent markiert den Anfang des neuen Kirchenjahres, dessen Rhythmus uns an Gottes Weg mit und zu uns Menschen erinnert und an dessen Anfang Vorbereitung und Besinnung auf Gottes Kommen in diese Welt stehen. So wünsche ich Ihnen und uns ein gutes neues Jahr und eine gesegnete Adventszeit, die sicher anders sein wird als in den vergangenen Jahren. Weihnachtsmärkte, geselliges Beisammensein mit Weihnachtsliedern und Plätzchen sowie Weihnachtskonzerte wird es wohl nur in kleinerem Rahmen geben können. Aber es gibt dennoch Möglichkeiten, Gemeinschaft zu erleben und sich auf das Weihnachtsgeschehen einzustimmen: im Gottesdienst natürlich oder in der offenen Kirche am Mittwoch zum Beispiel. Darüber hinaus hat unser Dekanat einen lebendigen Adventskalender (digital und analog) initiiert, an dem auch wir uns beteiligen werden. So laden wir am 4. Dezember herzlich ein zu einer kleinen Nikolausfeier rund ums Feuer auf dem Platz vor der Kirche, mit Liedern und einer Geschichte. Und wer weiß, vielleicht kommt ja sogar der Nikolaus? Auf jeden Fall werden wir am 24. Dezember trotz Corona Gottesdienst feiern, nicht in der Kirche, sondern ebenfalls draußen. Weil wir nicht wollen, dass an Weihnachten irgendjemand nicht den Gottesdienst besuchen kann, weil die Anzahl der Plätze in unserer Kirche so begrenzt ist, haben wir schweren Herzens entschieden, an Heilig Abend nur diesen einen Gottesdienst miteinander zu feiern. Rund um die Kirche ist genug Platz, um Abstände einzuhalten und dennoch Gemeinschaft im Hören auf die Weihnachtsbotschaft, die in Szenen, in Wort und Musik laut werden wird, zu erleben. Freilich empfiehlt es sich, sich warm und wetterfest anzuziehen, auch wenn zwei Feuerschalen für ein bisschen Wärme sorgen werden. An diesem Gottesdienst werden viele mitwirken und ich freue mich jetzt schon darauf – seien Sie herzlich willkommen! Am ersten und zweiten Feiertag feiern wir wie gewohnt um 10 Uhr Gottesdienst.

Vieles wird anders sein in dieser Advents- und Weihnachtszeit, auf manches müssen wir verzichten. Andererseits, vielleicht ist es ja auch gut und heilsam, dass Corona uns dazu zwingt, einen Gang zurückzuschalten? Für viele ist die Adventszeit nicht selten eine stressige Zeit, in der man vor lauter Advents- und Weihnachtsfeier-Terminen und über allen Vorbereitungen kaum Zeit findet, sich auf das zu besinnen, worum es eigentlich geht: um das Kommen Gottes in diese Welt, klein und unscheinbar, zart und verletzlich im Kind in der Krippe. Deshalb aber, weil Gott zu uns kommt, weil Gott diese Welt nicht sich selbst überlässt, haben wir Grund zur Freude und zur Hoffnung, deshalb können wir auch dieses neue Jahr getrost und mutig beginnen, trotz allem, was diese Welt immer wieder bedroht und dunkel macht. Und das ist ja nicht nur das Corona-Virus; der Klimawandel, dessen Auswirkungen wir in diesem Jahr ja wieder deutlich gespürt haben, gesellschaftliche Entwicklungen in unserem Land und in dieser Welt machen mir Sorgen, ja zum Teil mehr Angst als das Virus. Dagegen können wir uns und andere ein Stückweit schützen. Auf den Klimawandel und auch das politische und gesellschaftliche Klima in unserem Land und in dieser Welt kann ich ja kaum Einfluss nehmen. Aber ich kann mich auf Gott besinnen. Ein Spruch, der mir neulich begegnet ist, lautet: „Sage Gott nicht, wie groß deine Sorgen sind, sondern sage deinen Sorgen, wie groß Gott ist.“ Ich würde es gerne nicht so ausschließlich sehen: Sage Gott durchaus, wie groß deine Sorgen sind. Aber sage deinen Sorgen eben auch, wie groß Gott ist – so groß, dass er ganz klein wird, um dir immer nah zu sein. Gott ist da, überlässt diese Welt nicht sich selbst – das ist die Botschaft von Weihnachten, und ich wünsche uns, dass wir unsere Herzen immer wieder dafür öffnen mögen, dass wir zuversichtlich leben und mutig handeln können im Vertrauen auf und im Sinne des Gottes, der uns im Kind in der Krippe begegnet.

Eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und ein gutes neues Jahr

wünscht Ihnen Ihre Pfarrerin

Nina Nicklas-Bergmann